von Briech nach Marrakech

Nach dem Frühstück werden die Pferde wieder gesattelt und wir fahren Richtung Rabat. Dort angekommen biegen wir nach Sale ab um in der Nähe irgendwo eine Werkstatt zu suchen. Mr. Pommeroys linkes Radlager soll getauscht werden. Nach einigem Herumfragen haben wir eine ungefähre Richtung, in der wir nach Schraubern fündig werden.

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Eine auf VW spezialisierte Werkstatt suchen wir uns natürlich aus und schon wird der Passat aufgebockt und „gesichert“.

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Den Plan, während der Reparatur in die Stadt zu gehen, verwerfen wir recht schnell, denn wer es gewohnt ist sein Auto zur Reparatur abzugeben, der würde hier etwas verpassen! Auch unsere Schrauber-Sponsoren ATU, Autoservice Mehlig, Pflüger-Traumauto, KFZ-Linke und natürlich auch Mike,  Reinhold und Nico würden hier ihre wahre Freude haben. Der Werkstatt-Meister und sein Gehilfe machen sich sofort ans Werk und bauen am linken Vorderrad in Windeseile Rad, Bremssattel, Bremsscheibe, Spurstange, Antriebsstrang und den Block mit dem Radlager ab. Das alles funktioniert natürlich nur mit entsprechendem 5kg-Hammer und anderem „Uhrmacherwerkzeug“. Der nette Marokkaner gibt uns kurz Bescheid, dass er mit dem Block wegfahren muss und bald wieder kommt.

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Wir sind gespannt und vertreiben uns die Zeit: Auf dem Dreckplatz gegenüber trainiert anscheinend der hiesige Fußballverein, eine Zweimannband kommt die Straße runter und spielt, singt und tanzt mit uns einen Moment lang, der Werkstattgehilfe bekommt weitere Kundschaft, die auf der Durchreise einen „neuen“ Auspuff braucht. Geflext wird hier ohne Schutzbrille und beim Schweißen genügt wohl eine Sonnenbrille, aber nur als der Chef wieder anwesend ist.

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Das fertig eingepresste Lager ist erstaunlicherweise nagelneu und der Zusammenbau erfolgt ebenso schnell wie der Ausbau. Nach nur zweieinhalb Stunden kann Thorsten eine Probefahrt machen. Passt! Die Bezahlung ohne feilschen und ohne den Preis vorher auszumachen (offensichtlich ist heute Weihnachten und Ostern zugleich für den Meister) beschert uns noch eine schnelle Motorinspektion und Kühlmittelbefüllung, gerade als wir erzählen, dass unsere Reise noch über 3.000km und durch die Sahara nach Süden geht.

Der Meister besorgt uns noch explizit ein Taxi (vermutlich ein Kumpel oder Cousin) in die Innenstadt zum Souk (Markt),denn wir wollen noch etwas shoppen gehen.
Der Souk hier in Rabat ist toll, wie Marrakech, nur in traditionell. Wir sehen kaum Touristen, werden nicht in Läden reingezogen und ein „non, merci beaucoup“ genügt, um Angebote der Händler nicht annehmen zu müssen – man kann sich in Ruhe nach etwas umsehen. Eine handgemachte, große Leder-Reisetasche für nur 430 Dirham (ca.45 €), Lederballerinas für ca. 100 DH, Gürtel, Lampen, Töpferwaren, Kebab, Gebäck… es ist für jeden etwas dabei. Ein riesiger Unterschied zu üblichen Märkten ist, dass immer wieder dazwischen die Handwerksläden zu sehen sind, in denen die Waren hergestellt werden. Lederer, Schneider, Schuster, Schreiner, Schmiede,… Meistens wird direkt aus der Werkstatt heraus verkauft. Auch wenn etwas nicht in passender Größe verfügbar ist, kümmert man sich und geht notfalls zum Nachbarhändler, um uns zufrieden zu stellen und den Handel abzuschließen.

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Wieder zurück bei den Autos, die wir nahe der Werkstatt geparkt hatten, geht es nun noch 300km weiter über Casablanca nach Marrakech. Wir fahren durch die Dämmerung in die Nacht hinein, informieren kurz per SMS die Organisatoren, dass der VW wieder gut rollt und wir irgendwann nach 21Uhr auf dem Zeltplatz bei Marrakech eintrudeln werden.

Der Feierabendverkehr in Rabat und dicker Nebel um Casablanca halten uns auf. Der Verkehr hier gehört in eine Extra-Rubrik – dazu später mehr. Noch ein Abendessen an einer Raststätte zwischendurch und wir sind irgendwann nach zehn Uhr am bewachten Zeltplatz. Der Besitzer und seine Kollegen empfangen uns freundlich am Schlagbaum und wir können nun endlich am Etappenziel die Zelte aufstellen, ein, zwei Flaschen Wein trinken und den Orgs und anderen Rallyeteams, die teilweise ordentlich Getränkevorsprung haben, vom Tag erzählen.
Puh – morgen ist erstmal Ruhetag.