Hohnstein – Freiburg

Der Abend in der Brandbaude, dem „Balkon der sächsischen Schweiz“ bei Hohnstein war echt gemütlich. Mit Freibier, einem reichlich gedeckten Buffet und Feuerkorb draußen konnte man einen ersten Eindruck von den anderen Teams bekommen. Es waren auch wieder ehemalige Rallyeteilnehmer dabei, die neben den Organisatoren jede Menge Stories zu erzählen hatten, was uns unterwegs alles erwarten könnte.

Die Nacht war daher recht kurz, schlaftrunken sitzen wir halb 8 am Frühstückstisch. Das Buffet war wieder reichlich gedeckt. Der in der Nacht einsetzende Regen hat die Umgebung zu einer Waschküche gemacht. Schade, dass wir den „Balkon“ nicht genießen können. Achim nutzt seine morgendliche Überlegenheit, dass Thorsten und ich noch nicht so redseelig sind, und schmiedet Pläne für den Verlauf des Tages. Dabei ist die Etappe schon grob festgelegt: 16:30 in Stuttgart sein und dann weiter nach Freiburg.
Aber Halt, da war doch noch etwas: den Zweitschlüssel vom Benz, den wir mitnehmen sollten, hat Mike noch bei sich und keiner hat in dem Trubel gestern an die Übergabe gedacht. Also doch nochmal nach Dresden nach dem bevorstehenden Start.

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Ein Bus bringt uns von der Brandbaude zum Marktplatz in Hohnstein. Dort warten schon viele Schaulustige, Eingeborene und angereiste Familien und Freunde auf die Verabschiedung und den Start. Wir treffen letzte Startvorbereitungen: Flüssigkeiten und Dachträger checken ist das Minimum. Ein falsch eingepackter Campingtisch wird noch getauscht. Es regnet weiter, während der Bürgermeister eine Ansprache hält. Punkt 9 erfolgt der Startschuss vom hiesigen Schützenverein mit alten Musketen. Dann rollen die Rallye-Boliden, einzeln vorgestellt, vom schrägsten Marktplatz Deutschlands. Als ich mit dem Benz am Start in Stellung gehe, ergießen sich beim abbremsen ca. 4-5l Regenwasser aus dem Dachträger durch das offene Fahrer auf meinen Jackenärmel und das Hosenbein. Ich bin klatschnass, aber habe die Lacher auf meiner Seite. Frisch getauft geht es weiter. Volltanken, den zweiten Schlüssel abholen und dann geht’s wirklich endlich mal los.

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Die Strecke Dresden-Stuttgart hüllt sich in Regen, Niesel und dicke, tiefliegende Wolken. Achim fährt souverän den Benz, ich mache hinten Ordnung im Fond. Thorsten ist Einzelpilot im Passat, aber mit Funkgerät und guter Musik wird keinem langweilig. In Bayreuth nach einem kleinen Stopp überholen wir zum ersten mal andere in Hohnstein gestartete Rallye-Teilnehmer. Nach Ansbach wird sogar das Wetter besser. Wir haben uns schon gefragt, wie es sein kann, dass in Stuttgart die Sonne scheint und wir noch durch solches Mistwetter fahren.
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Die Einfahrt um 16:30 ins Römerkastell ist eine Punktlandung.
Wir verabschieden uns von Familie, Freunden, Kollegen und Sponsoren. Es sind viele gekommen, zwei Kästen Zäpfle stehen bereit, es werden Fotos gemacht und Fragen zur Rallye und den Autos beantwortet. Jetzt ist auch Nicole an Board und komplettiert unsere Mannschaft. Alles in allem ist die einstündige Verabschiedung sehr herzlich. Viele gute Wünsche werden uns von allen mit auf den Weg gegeben.

Durch den Stuttgarter Stadtverkehr geht’s rasant weiter Richtung Freiburg, zu unserem ersten Etappenziel. Nicole reitet Mr. Pommeroy, ich Ms. Winterbottom. Über die A81 kommen wir nach Rottweil, wo wir uns noch kurz von Thorstens Vater verabschieden. Wir treffen uns an einer Tankstelle, da wir eh gerade volltanken und Reifendruck prüfen müssen. Aber was ist DAS? Beim Benz ist ein schleifendes Geräusch am rechten Hinterrad zu hören. Eine kurze Untersuchung zeigt nichts auffälliges und gibt uns Rätsel auf. Ein fremder junger Mann, der die Szene beobachtet hat, fragt freundlich, ob er uns helfen kann. Nico ist Mechaniker für Landmaschinen und packt sofort mit an: Keile unter die Räder, Automatik auf N und Feststellbremse los, so wird der Benz geliftet und das Hinterrad abmontiert. Die gute Nachricht: Es ist nichts an Bremse oder Radlager, aber vom rostigen Schutzblech haben sich Teile zwischen Blech und Bremse gesetzt. Thorstens Vater kommt auch nochmal mit hinzu und gemeinsam wird an dem vergammelten Blech gedocktert. Bremssattel ab und Bremsscheibe gelöst, kommen eine Menge Rostbrocken zum Vorschein. Da sich die Scheibe nicht komplett abziehen lässt, wird kurzerhand improvisiert: gebogen, gedreht, gehämmert, gewackelt und mit dem Reifendruckluftgerät von der Tankstelle ausgeblasen. Das Ergebnis: um zwei handvoll Rostbrocken leichter und eine Erfahrung reicher können wir weiter fahren. Mit Nico, der sich die ganze Zeit schon interessiert nach der Rallye erkundigt hat werden noch Nummern getauscht und er gibt uns noch paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg.
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Nach einem kurzen Abendessen beim Mexikaner geht’s nun noch weiter nach Freiburg, wo wir kurz vor Mitternacht ankommen. Einchecken und noch ein verdientes Feierabend-Bier. Die Nacht wird kurz, morgen geht es durch fast ganz Frankreich nach Carcassonne.
Gute Nacht!