Von Nouakchott nach Saint Louis

Der gestrige Ruhetag war dringend nötig nach den Strapazen der letzten Tage und vor den noch kommenden Etappen. Er fand einen wunderschönen Ausklang mit einem Lagerfeuer am Strand. Wir werfen als erstes Team unsere letzten Biervorräte in die Runde, da es dann in St. Louis im Senegal wieder welches zu kaufen gibt. Binnen Sekunden ist die Palette leer gegrabscht und auch andere Teams nehmen sich ein Beispiel und werden spendabel. Die ganze Rallye ist ein Stück mehr zusammengerückt. Es gab viele interessante Gespräche mit anderen Teams.
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Sidid, einem angeforderten mauretanischen Mechaniker können wir in der Nacht noch helfen, indem wir ihn zur holländischen Rallye Amsterdam-Dakar auf dem Nachbar-Campingplatz bringen, wo er einen defekten Jeep reparieren soll. Wir unterhalten uns ein Weilchen mit ihm, tauschen Telefonnummern und Emailadressen aus und er bedankt sich noch etliche Male dafür, dass wir ihm geholfen und ihn den Kilometer am Strand entlang mitten in der Nacht begleitet haben.
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Start nach Saint Louis ist morgens 8 Uhr. Wir müssen leider eines der beiden Zelte da lassen, weil die Stangen mittlerweile geknickt und gebrochen sind und fahren verschlafen vom Zeltplatz zum nächsten „Rastplatz“, vertanken die letzten Ouguiya und warten auf die in der Stadt in Hotels untergekommenen Teams. Rastplatz bedeutet hier eine Tankstelle mit zwei Zapfsäulen und eine Unmenge an kleinen Zelten und Bretterbuden drum herum, um alles Mögliche einzukaufen. Das Warten zieht sich etwas in die Länge, da ein defekter Volvo noch entladen und Hilfsgüter und Gepäck auf andere Autos verteilt werden muss, bevor er geschleppt werden kann. Kurz wird es nochmal hektisch, als gerufen wird „alle weg von der Straße, der Präsident kommt“. Es brausen erst ein Dutzend schwer bewaffneter schwarzer Jeeps und Pickups, danach etliche weiße gepanzerte Fahrzeuge vorbei. Eines davon hat Flaggen dran. Vermutlich saß da der Würdenträger drin – oder sein Doppelgänger. Zum Schluss nochmal mindestens ein Dutzend dunkle, bewaffnete Regierungsfahrzeuge. Dagegen wirkt unsere Eskorte durch Mauretanien eher lächerlich.
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Im Konvoi fahren wir weiter Richtung Süden. Die Landschaft ist extrem karg – nur kleine Büsche und Sträucher. Während der Fahrt verändert sie sich langsam zur Sahelzone, teilweise bilden Arganbäume wieder kleine Wälder, aber die Sahara ist immernoch präsent. Wir sehen große rotsandige Dünen und passieren fast zugewehte Straßen. Die Ränder werden bröckeliger, die Schlaglöcher größer und die uns entgegenkommenden Autos seltener.

Trotz der kargen Umgebung sehen wir von der Straße aus kleine Dörfer und fahren auch durch größere, an der Straße gelegene Siedlungen. Eigentlich sollten gerade hier die Kameras heiß laufen, aber wir verkneifen uns bei der langsamen Fahrt durch das Gewühle das Fotografieren oftmals, da wir keinen Tumult auslösen wollen. Man sollte generell zuerst fragen, wenn man Fotos machen möchte, wurde uns gesagt, sonst können auch mal Steine fliegen. Also filmen und knipsen wir schnell und heimlich. Überall wo der Konvoi vorbei fährt winken uns Kinder zu und jubeln, tanzen und machen Luftsprünge. Eine Winkprothese haben wir leider vergessen, also sieht unser Zurückwinken bald aus, wie das der Queen, denn das ist nicht soo anstrengend.

Nach einer Dorfdurchfahrt stoppt der Konvoi und wir warten auf eine zweite Gendarmerie, die an dieser Distrikt-Grenze zu uns stoßen soll. Wie so oft kommen wieder viele Kinder und einige Frauen. Natürlich ist das häufigste Wort in unseren Ohren wieder „Cadeau“, aber hier bekommen wir auch Baguettes, Fladenbrote, bunte Stoffe, Getränke und „frischen“ Fisch zum Handel angeboten.
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In 5 km soll es von der Straße nochmal runter gehen zu einem kleineren Grenzübergang, da der bei Rosso sehr korrupt und überfüllt sein soll.

Circa 60km vor der Grenze geht es also nochmal off-road durch einen Nationalpark auf einem Damm entlang zum Fluss Senegal hin. Links und rechts sind Feuchtwiesen, Reisfelder und kleine Seen zu sehen. Die Außentemperatur liegt zwar nur bei 35°C, aber die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Wir lassen deswegen, aber auch wegen dem Dreck und Staub die Fenster zu und die Klimaanlage läuft auf maximaler Stufe.

Die Strecke hat es in sich: Spurrinnen in denen sogar die Allrad-Jeeps Probleme haben. Scharfe Kanten an denen man sich durchaus den Tank aufreißen kann. Immermal wieder vom Damm runter um auf ausgetrockneten, fernstaubigen Pisten zu düsen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Wer vom Wüstensand noch nicht genug hat, wird mittlerweile mit Staublunge und genug Dreck zufrieden gestellt sein.
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Der Senegal River ist die Grenze zwischen Mauretanien und Senegal. Die Grenzübertritte sind mit ca. 1h Wartezeit für Ausreise, Überfahrt und Einreise relativ zügig für afrikanische Verhältnisse, sicherlich auch Dank der Beziehungen der Orgs und des abgelegenen Örtchens Diama.

Wir fahren weiter nach Saint Louis, noch eine Stunde und wir haben diese Etappe geschafft. Im Dunkeln und mit Warnblinkern an rollt der Tross durch die chaotische City. Wer zu großen Abstand zum Vordermann hält, hat schnell eine einheimische Blechbeule oder ein Eselsfuhrwerk vor sich. Auch Teilnehmer der holländischen Rallye mischen sich unter uns. Der Konvoi reißt immer wieder auseinander. Teilweise müssen wir Funksprüche der Orgs nach vorn oder hinten weitergeben. Die vom Senegal gestellte Zolleskorte fährt vorweg und ist gnadenlos, gönnt uns keine Pause, aber dank der Warnblinklichter und Funkgeräte geht alles relativ glatt.

Wir wollen auf die äußerste Insel zum Zeltplatz, fahren über die von Gustave Eiffel designte Faidherbe-Brücke, quälen uns durch menschenverstopfte Straßen und werden plötzlich auf der Mittelinsel von einer Menge Security gestoppt. Holger von den Orgs kommt an jedes Fahrzeug hin und sagt: „Motor aus, zuschließen und mitkommen. Der Präsident will uns begrüßen“. Ungläubig tun wir das und hören schon die Menschenmenge am nächsten Platz.

Der Pressesprecher hält eine kleine Ansprache und eine ca. 30-köpfige Tanzgruppe zeigt danach traditionell ihr Können. Viel Securitypersonal trennt uns Rallyefahrer vom Volk, was etwas befremdlich wirkt. Wir sind übrigens nicht die einzige Rallye, die gerade hier in Saint Louis Station macht. Wir sehen unter den Zuschauern T-Shirts von der bereits erwähnten Amsterdam-Dakar und auch noch etliche mit „Intercontinental Rallye“. Der Senegal (und auch Mauretanien) tut anscheinend alles mögliche, seit dem Wegfall der Paris-Dakar, um nun den Transit-Tourismus zu fördern.
Nach dem Spektakel dürfen wir weiter fahren zum Zeltplatz-Hotel. Wir entschließen uns, ab jetzt nicht mehr zu Zelten, da wir ja nur noch eines haben, nehmen ein Dreibettzimmer und genießen das leckere Buffet und das eiskalte „La Gazelle“ – Pils in 0,6l Flaschen.

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